Sonntag, 23. August 2026

Nichts ist einfach bloss einfach

Die Bildungspolitik ist so komplex wie gute Bildung. Einfach Rezepte für alle Menschen gibt es hier nicht. Im Mittelpunkt steht jedoch die Durchlässigkeit der verschiedenen Bildungswege und diese ist in der Schweiz sehr hoch.

In den letzten 50 Jahren hat sich das Bildungsniveau in der Schweiz jedoch keineswegs nach oben entwickelt. Das zeigen nicht zuletzt die PISA-Studien; aber auch Ausbildungsbetriebe ebenso wie die Hochschulen können dazu ein leider unerfreuliches Liedchen singen.

Die Schule wurde für die Kinder vom Forderungs- und Förderungs- zum Wohlfühlort umgebaut. Kreativitätsförderung war gefragter als Leistungsförderung. Der Begriff «Leistung» kennt eine einzige, klare Definition: Leistung ist Arbeit in der Zeit. Genau das wurde jedoch in den letzten Jahrzehnten fälschlicherweise mit Stress gleichgesetzt.

Weshalb waren denn frühere Generationen erfolgreich, obwohl sie Frontalunterricht bei hohen Leistungsanforderungen «ausgesetzt» waren? Immer mehr junge Menschen wollen zudem den akademischen Weg beschreiten. Sehr viele von ihnen scheitern jedoch am Studium oder wählen Studiengänge und Fächer, die verhältnismässig einfach zu bewältigen sind. Die direkte Folge sind arbeitslose Studienabgänger in Philosophie, Ethnologie, Soziologie, Politologie, Geschichte etc.

Gleichzeitig fehlt dem Gewerbe, fehlen den klassischen Handwerksbetrieben die Lehrlinge für laufend anforderungsreichere Berufe. Bund und Gewerbe versuchen mit Geld und Marketing die Lehre als erfolgreichen Start ins Berufsleben wieder salonfähig zu machen. Das ist an sich seltsam, wenn doch der Arbeitsmarkt für manche Handwerkerin den deutlich besseren Lohn bezahlt als für viele Studierte.

Dabei würde die Lösung auf der Hand liegen: wird das Gymnasium wieder zur Institution, in der die Anforderungen sehr hoch sind. Wo überdurchschnittliche Intelligenz sich mit hoher Leistungsbereitschaft paaren und täglich beweisen muss, dann werden weniger frustrierte, weil überforderte Studenten unsere Universitäten bevölkern, und mehr durchschnittlich intelligente Jugendliche werden in einem Lehrbetrieb ihre persönlichen Stärken beweisen können. Und sie werden dort erfahren, dass die aktuelle Lehre eine umfassende, breite Ausbildung in Theorie und Praxis beinhaltet. Die Besten von ihnen werden auch von hier aus ihren Weg bis in die akademische Stufe schaffen. Dort werden sie aufgrund ihrer Praxiserfahrung ausserordentlich wertvolle Arbeitskräfte sein. 

Kinder lernen gerne. Lassen wir sie lernen und zeigen wir ihnen bereits in der Primarschule, dass Leistung Freude machen kann und nicht einfach nur Stress bedeutet. Hürden sind da, um überwunden zu werden, Herausforderungen sind da, um gemeistert zu werden. Beides bereichert unser Leben – zeigen wir unseren Kindern genau das.

 

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