Einmal mehr haben im Bundesparlament die Vertreter von 0.6 Prozent des Bruttoinlandproduktes, der Netto-Subventionsempfänger und faktischen Staatsangestellten, die Agrarlobbyisten, die restliche Wirtschaft und damit den Wohlstand unseres Landes in Geiselhaft genommen.
Das für unsere Wirtschaft und damit für unsere Arbeitsplätze enorm wichtige Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten haben sie im Nationalrat gründlich «gebodigt». Und weil’s so schön war, hat der Mitte-Bauernpräsident, der auch seine eigene Fraktion unter der Knute hat, gleich auch noch damit gedroht, gegen die Bilateralen III zu sein, wenn die Bauern nicht massiv höhere Subventionen erhalten würden. Eine Forderung, die er auch bereits im Zusammenhang mit dem Mercosur-Handelsabkommen geäussert hat.
Dabei sind diese Forderungen keineswegs gut schweizerisch bescheiden.
Im Gegenteil. Sie sind exorbitant. Ganz nach der Devise: Wenn die Bauern schon
mal dabei sind, soll es reichlich (Steuer-)Geld für sie regnen.
Schliesslich hat der Druck beim Wein auch Erfolg gezeitigt. Wenn die Schweizerinnen und Schweizer ausländische Weine den Schweizer Erzeugnissen vorziehen, muss eben dafür ihr Portemonnaie bluten. Auf die Idee, die eigene Produktion dem Weingeschmack des 21. Jahrhunderts anzupassen, sind sie erst gar nicht gekommen. Ganz nach dem Motto: «Schon unsere Urahnen haben aus den gleichen Traubensorten auf die gleiche Weise unseren Wein gekeltert. Und daran gibt es nichts zu rütteln.»
Wenn der Wein den Konsumenten nicht schmeckt, liegt es nicht
am Wein, sondern an den Konsumenten. Und diese sind dafür zu bestrafen, indem
sie zahlen müssen. Oder mit reziprokem Fischerlatein gesprochen: Wenn der Fisch nicht anbeisst, liegt es Fisch, nicht am Wurm.
Und siehe da: das Bundesparlament hat viele offene Ohren für diese Forderungen. Auch solche aus der SVP und der FDP. Ganz so, als wären viele Parlamentarier als Bauern- und nicht als Volksvertreter gewählt worden. Es liegt an den Konsumenten, hier im nächsten Jahr bei den nationalen Wahlen Remedur zu schaffen und das Parlament ins Lot zu rücken.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen